Fachdienste

Klientenzentrierte, systemische Familientherapie

Um der Komplexität der Probleme, mit denen die Jugendlichen, bzw. ihre Familien zu uns kommen, gerecht zu werden, vertreten wir einen systemischen Ansatz.
In der Familientherapie wird mit allen Beteiligten an den Beziehungsmustern innerhalb der Familie gearbeitet. Die Gestaltung der Beziehungen, die Art und Weise der Kommunikation und auch die Selbstorganisationsprozesse der einzelnen Mitglieder werden sichtbar gemacht und in Richtung einer wünschenswerten Zielsetzung durch zusätzliche Handlungsstrategien erweitert.

 

Konkrete Ziele für die Elternarbeit sind folgende:

  • Erarbeitung einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Einrichtung und Eltern, in der die Eltern motiviert an den Problemlösungen mitarbeiten können.
  • Klärung und Bearbeitung der Beziehungen zwischen den Kindern bzw. Jugendlichen und der Herkunftsfamilie (Aufdecken von Schuldzuweisungen, Lösung von Konflikten...)
  • Klärung der Familienregeln
  • Klärung und gegebenenfalls Veränderung der Rollen und Positionen der einzelnen Familienmitglieder (klare Unterscheidung zwischen Eltern- und Kind-Ebene, entlassen des Kindes aus einer Partnerersatzrolle, ...)
  • Verarbeitung des Trennungsschmerzes vom Kind
  • Abbau der Schuldgefühle bei den Angehörigen, ihr Kind in ein Heim gegeben zu haben
  • Krisenintervention und Stabilisierung in der Familie (bei besonderen Ereignissen)
  • Ablösung des Jugendlichen von der Herkunftsfamilie
  • Erarbeitung eines adäquaten Umgangs mit Konflikten innerhalb der Herkunftsfamilie
  • Befreiung des Kindes aus der Sündenbockrolle
  • Sensibilisierung der Familie für den eigenen Anteil eines jeden einzelnen Mitglieds an der Verhaltensauffälligkeit des Kindes (welche Funktion hat das Symptom für das System, z.B. Ablenkung vom Ehekonflikt)
  • Vorbereitung der Rückführung des Kindes in die Familie

 

Verlauf der Familientherapie

Je nach Problemsituation der Familie und Zielsetzung finden in regelmäßigen Zeiträumen (alle zwei bis vier Wochen) Familiensitzungen statt, an denen je nach Bedarf die Eltern, die Kinder, zusätzlich zum Fachdienst für Elternarbeit die Psychologen, und /oder ein Mitarbeiter der Gruppe teilnehmen.

Ausgangspunkt für die Familientherapie ist ein Auftrag der Familie oder des Teams, in dessen Gruppe der Jugendliche lebt. In der Anfangsphase (ca. erste bis dritte Sitzung) werden mit Hilfe diagnostischer Mittel wie Genogramm (Bildhafte Darstellung der Herkunftsfamilie der Eltern), Beziehungsrad, Familienlandkarte (Bildhafte Darstellungen der Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern), Familien in Tieren und zirkulären Fragestellungen die dem System eigenen Strukturen, Regeln, und spezifischen Eigenheiten mit ihren Wirkungen auf die einzelnen Familienmitglieder, insbesondere die Symptome des Kindes/Jugendlichen sichtbar gemacht. In der Interventionsphase wird daran gearbeitet übervorhandene Ressourcen und Kompetenzen neue Wege im Umgang miteinander zu finden, um das formulierte Ziel zu erreichen. Hierbei helfen Methoden wie Familienaufstellung und -Skulptur, bei denen die Familie sich selbst oder auch Puppen oder Stühle im Raum aufstellen. So haben alle Familienmitglieder die Möglichkeit, die gesamte Familie und sich selbst zu betrachten und auch den eigenen Platz mit der ihm innewohnenden Rolle gefühlsmäßig zu erfassen. Über die Veränderung der einzelnen Positionen kann ein für alle besser passendes Lösungsbild erarbeitet werden, das dann durch weitere Sitzungen in den Alltag integriert werden soll.

Ist der gewünschte Zielzustand erreicht, beginnt die Abschlussphase, in der überprüft wird, inwieweit der Zielzustand stabil bleibt.

Der gesamte therapeutische Prozess läuft unter dem Gesichtspunkt, dass die Familie ihre eigenen spezifischen, zu ihrer Identität passenden Lösungen finden kann und über die nötigen Ressourcen bereits verfügt.

Befindet sich auch ein Kind der Familie in Therapie, findet während des gesamten Prozesses ein intensiver Austausch mit den Therapeuten des Kindes statt, um sicherzustellen, dass der Veränderungsprozess der Familie und der des Kindes ineinander greifen in Richtung eines gemeinsamen Ziels.

Ebenso findet ein intensiver Austausch mit den Mitarbeitern der Gruppe statt, damit sowohl die familientherapeutische Arbeit als auch die pädagogische Arbeit mit dem Jugendlichen in der Gruppe ineinander fließen.

 

Kinder- und Jugendlichentherapie

Kinder- und Jugendlichentherapie ist ein strukturierter und überprüfbarer interaktioneller Prozess zur Behandlung von seelischen oder seelisch-körperlichen Störungen von Kindern.

Die Maßnahmen beziehen sich auf die heilende Beeinflussung von Erlebnis- ‚ Denk-, und

Verhaltensprozessen des Klienten und dessen Bezugsperson. Ziele der Therapie sind die Förderung seelisch-geistiger und körperlicher Wachstumsprozesse des Kindes/Jugendlichen und der Abbau der Störungsproblematik.

Im Johannesheim kommen Methoden aus der Spieltherapie, Bewegungs- und Tanztherapie oder Psychomotorik zum Einsatz, denn diese eignen sich besonders für Kinder und Jugendliche, da sie ihrem natürlichen Bewegungsbedürfnis entgegenkommen und sie sich unmittelbar über Bewegung und Spiel ausdrücken. Außerdem wird mit Methoden der Verhaltenstherapie gearbeitet.

Derzeit sind die Fachdienststellen mit einer Psychologin mit tanztherapeutischer Zusatzsausbildung und einem Verhaltenstherapeuten besetzt.

 

Arbeitsweise der Tanztherapeutin

 

Tanztherapie ist eine ganzheitliche Psychotherapie, in der die Bewegung den Körper und die Psyche wieder in ein Gleichgewicht bringt. Bewegung und unmittelbarer Körperausdruck sowie deren Spiegelung, Gewahrwerdung und Erforschung  sind Gegenstand des therapeutischen Dialogs.

Durch die systemische Sichtweise wird die hierarchische Position zwischen Therapeutin und Klient relativiert. Die Tanztherapeutin sieht sich selbst als Teil des Systems mit einer verantwortlichen Position und muss ihr Handeln immer wieder hinterfragen und Lösungen mit allen Beteiligten suchen. Nur Lösungen, die von allen getragen werden, sind letztendlich wirkungsvoll.

In der Regel werden Einzeltherapien (50 min.) ein- bis zweimal wöchentlich durchgeführt.

Im Verlauf der Therapie wird anhand der Bewegungsqualitäten eine differenzierte Bewegungsanalyse erstellt (Kestenberg Movement Profile und Laban Bewegungsanalyse), anhand derer Rückschlüsse auf die Entwicklung und Persönlichkeitsstruktur des Kindes gemacht werden und gezielte Förderung (anhand von strukturierten Bewegungsaufgaben oder im freien Spiel) möglich wird.

 

Für den Abbau des gestörten und den Aufbau seines gesunden Verhaltens ist der Klient im Rahmen seiner Individuation selbst verantwortlich. In dem stützenden und geschützten Rahmen einer Therapiestunde können neue Bewegungserfahrungen gemacht werden, ohne Bewertungen fürchten zu müssen. Die Therapeutin schafft eine angstfreie, gefühlsoffene und anregende Umgebung (Einbezug von Medien, wie z.B. Bälle, Bänder, Papier, Pedalo...). Das Erlebte wird durch verstehende und reflektierende Empathieprozesse von der Therapeutin rückgemeldet, damit Transferprozesse in den Alltag geschaffen werden.

So kann das Kind den eigenen Körper als zusammengehörig und geordnet, und die eigenen Grenzen als intakt erleben. Aufmerksamkeit und Wohlwollen gegenüber der eigenen Person kann wachsen und das Kind wird zu einem hilfreichen Ausdruck von Gefühlen ermutigt.


Allgemeine Ziele in der Tanztherapie

  • Bewegungserfahrung, die Freude macht
  • Soziale Interaktion: verbal und nonverbal
  • Wahrnehmung von Körper/Körpergrenze Zentrierung:  gesunde Körperhaltung/Aufrichtung  begünstigen
  • Erweiterung, Ausdehnung und Veränderung von persönlichen Bewegungsmustern
  • Bereitstellung von Atemmustern, die die Luftversorgung verbessern
  • Aufbau von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Entspannung und Lösen chronischer Spannungsmuster
  • Entwicklung von Kreativität und Phantasie
  • Stimulation und Integration der Sinneswahrnehmung
  • Aufbau von Sprache für Körper und Körperwahrnehmungen

Spezifische Angebote des Fachdienstes

Dyskalkulietherapie für rechenschwache Kinder

 

Verhaltenstherapie mit Jugendlichen im Johannesheim Holzolling

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass menschliches Verhalten erlernt ist und entsprechend wieder "verlernt" werden kann. Verhaltensstörungen und psychische Störungen sind demnach primär nicht durch innerpsychische Konflikte zu erklären, sondern durch die individuelle Lerngeschichte, durch familiäre Einflüsse und die soziale Umwelt. Sie werden als Resultat eines Lernprozesses betrachtet.

In der modernen Verhaltenstherapie gewinnen kognitive Methoden, die mit Gedanken, Einstellungen und Emotionen arbeiten, seit längerem eine zunehmend große Bedeutung (z.B. Problemlösetechniken oder Selbstverbalisationstraining).

Auch der therapeutischen Beziehung wird für den Therapieerfolg inzwischen die gleiche Aufmerksamkeit und Bedeutung beigemessen wie den Methoden und Techniken.


Die Arbeitsweise des Verhaltenstherapeuten

Diagnostik

Die verhaltenstherapeutische Diagnostik, die am Anfang jeder Therapie steht, besteht aus der

Verhaltensanalyse, die in drei Schritten die Beantwortung folgender Fragen zum Inhalt hat:

  1. Was ist das Problemverhalten? Welches Verhalten soll sich verändern? (Beschreibung)
  2. Unter welchen Bedingungen tritt das Problemverhalten auf und welche Faktoren halten das Verhalten aufrecht? (Analyse)
  3. Was sind die Ziele und mit welchen praktikablen Mitteln sollen sie erreicht werden? (Plan)

Die Informationen hierfür werden im explorativen Gespräch mit dem Jugendlichen und von den Erziehern (bzw. den Lehrern) und ggf. den Eltern eingeholt. Zusätzlich kann eine systematische Verhaltensbeobachtung und ein Verhaltensprotokoll des Problemverhaltens und seiner Auftretensbedingungen erforderlich sein. Dies muss von den Mitarbeitern der jeweiligen Wohngruppe geführt werden.

 

Therapie

Die Verhaltensanalyse mündet in eine gezielte psychologische Intervention, wobei folgende

Verfahren zur Anwendung kommen können:

  1. Verstärkerpläne
    Nach einem mit den Gruppenerziehern abgesprochenen Plan wird das gewünschte Verhalten verstärkt, unerwünschtes Verhalten bestraft. Die Auswahl der Verstärker ist hierbei für den Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung.
  2. In den ca. 3/4-stündigen wöchentlichen Therapieterminen werden die Therapieziele und -methoden mit den Jugendlichen besprochen und festgelegt. Der Therapierahmen ist strukturiert, zielgerichtet und das Therapiegeschehen sollte für die Jugendlichen transparent und ihnen einsichtig sein.

 

Methoden sind unter anderen:

 

  • kognitive Methoden; sie zielen auf eine Einstellungsänderung beim Jugendlichen (Selbstkontrolltechniken, Erzeugen von problemlöseorientiertem Verhalten, Selbstverbalisationstraining) ab
  • Wahrnehmungsübungen und Rollenspiel (insbes. zum Einüben von alternativem Konfliktlöseverhalten und zum Selbstbehauptungstraining)
  • Entspannungstraining (Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung)

Die therapeutische Intervention muss jugendlichengerecht sein und die z.T. eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten sowie die oft vorhandenen Motivationsprobleme für eine psychologische Therapie berücksichtigen. Die Therapie kann deshalb nicht nur Arbeitscharakter haben. Spiele, sportliche Aktivitäten und Unternehmungen sind deshalb selbstverständlicher Bestandteil der therapeutischen Maßnahmen. Sie dienen u.a. auch der Verbesserung der Konzentration und Ausdauer, dem sozialen Lernen (Therapeut als Modell) und nicht zuletzt der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut und Jugendlichen.